Mir geisterte ja schon lange eine handliche G/S im Kopf rum. sowas wollte ich mir zum 60. gönnen. Also kleiner, leichter und einfach im Handling, was man auch mit 70 noch fahren kann.
Es fing an im Jahre 2021 beim Erwerb eines herum stehenden Projektes aus dem hiesigen Umfeld. GS-Rahmen, verstärkt, zur Aufnahme einer G/S Schwinge nebst passender Federbeinaufnahme bereits umgebaut. Dazu ein Öhlins, viele Räder, R65 Tank, Lenkerkleinkram etc. Kein Motor/Getriebe etc, aber so was lag noch bei mir im Regal rum, was ich ja schon lange mal leeren wollte. Flugs das Konvolut geschossen, abgeholt und angefangen. Problem dabei: Ich hab zwar eine Garage, die liegt aber 2 km weg vom Haus und da kann ich nicht schrauben, steht nämlich mit Moppeds voll. Das Ganze hab ich dann nach reiflicher Überlegung also in Patricks Werkstatt (Elefantentreiber) nach Niederkassel verlagert. Eine überaus gute Wahl, denn Patrick macht nur das, was er wirklich kann und ist „pingelig genug“, da bin ich seit den Zeiten meiner Wanderbaustelle verwöhnt von Meister vom Eyser (der inzwischen kaum noch was macht).
Entstehen sollte eine möglichst serienmäßig aussehende G/S in 1980er Optik, also weiß mit roter Sitzbank. Allerdings mit ein paar Verbesserungen. Das Fahrwerk angepaßt mit stabiler Gabel und gutem einstellbaren Federbein. Eine richtige Bremse und ein Motor, der beim überholen keine Schweißperlen auf meine Stirn treibt. Dazu leicht und ergonomisch passend. Das mitgelieferte Öhlins war zu lang (Knickwinkel) und vom Alter her kaum überhol-/umbaubar. Also verkauft, an der Kardanwelle hat Patrick dann den Ruckdämpfer nach der ersten Sichtung erneuert. Die Gabel wurde durch eine von der GS (>91) mit Kartuschen ersetzt. Diese ist von Mitte Achse bis zur Oberkante-Gabelbrücke (Das G/S-Blech) etwa 4 cm länger. Somit durfte die GS-Gabel durch die dickere Brücke auch noch durchgeschoben werden, damit die Karre wieder so da steht wie original.
Räder habe wir verbaut und ein YSS Federbein (Länge noch verstellbar) eingebaut. Sah Scheiße aus mit dem nach links gespeichten Hinterrad von HPN, mir gefiel die Optik hinten in der Asymmetrie dabei nicht. Also Rad verkauft, anderes Serien-Hinterrad gesucht. Dazu mit einer noch brauchbaren Trommel (< 201,5 mm), die wachsen leider nicht auf den Bäumen. Nach 2 Wochen Glück gehabt und ein NOS Hinterrad aus dem Regal, original verpackt kaufen können. Natürlich gegen viel buntes Papier...
Für vorne hab ich eine GS-Nabe, die dann problemlos auf die GS-Gabel paßt, mit einer normal zu speichenden Felge von Menze zu einem Vorderad verheiraten lassen. Vorteil der Nabe ist auch, dass eine Spiegler-Bremsanlage dran passt. Zur Auswahl standen nämlich eine Doppelscheibe, die aber eigentlich nicht so zur G/S passt oder aber eine größere Einzelscheibe. Auf Patricks Empfehlung hab ich dann eine 300 mm-Spieglerscheibe samt deren 4-Kolbensattel erworben und eingebaut, was sich als goldrichtig herausstellte. Weiter oben an der Gabel standen die Standrohre ja durch, somit mußte der Lenker hoch gesetzt werden, auch um die Kartuschen verstellen zu können. Alle Armaturen blieben serienmäßig. Die Brotdose wurde original so weiter verwendet mit ihren Kontrollleuchten. Dazu aber der Daytona-Velona W, der auf „3 Uhr“ einen kleinen analogen Drehzahlmesser aufweist. Vor die Brotdose sollte auch nicht die Serien-GS Schale (Lärmgenerator), sondern eine von Ritmo Sereno. Diese hatte unser Reiner ja mal in Carbon nachgefertigt, dazu auch noch die Anlasserabdeckung. Den Carbondeckel für die Lima bekam ich von Wolf.
Damit wären wir auch schon beim Motor. Im Regal lag ein Aggregat der letzten Generation (10 2 V D) das erstmal zerlegt wurde, auch weil keiner die Laufleistung kannte und ich den nur ein einziges mal in meinem Leben anpacken wollte. Also hat Patrick den neu gelagert (nur 1 rotes Lager!), ich hab die KW wuchten lassen und dann haben wir Pleuel gewogen, vermessen, montiert und die Köpfe nach vielen Ideen zum Rolf geschickt. Der hat mir dann Bohrungen für weitere Zündkerzen und neue Sitzringe mit 3 Winkeln bis in den Kanal hinein unter Verwendung von Ventilen in Seriengrößen eingebaut. Diese sollten durch Einbau einer Nocke mit 336° (Ro 1145) aber so weit in den Brennraum ragen, dass die Ventiltaschen angepaßt werden sollten. Damit ergab sich der Einbau von Woessner-Kolben, die 1. leichter sind, 2. enge Toleranzen haben mit nahezu identischen Gewicht und 3. schöne große Ventiltaschen besitzen. Gab´s nur über den Rabbi, aber Patrick hat da ja einen guten Kontakt.
Diese eingebaut, Motor komplettiert und geprüft, ob die Ventilfedern nicht auf Block gehen bei der Nocke. Ansonsten hätten wir den Federgrund nachsetzen müssen auf der Fräse. Paßte aber alles so. Zusammen gebaut mit alter ZK-Dichtung, Rand der Kolben mit Fett abgedichtet und ausgelitert. Danach mit Knete den Freigang der Ventile geprüft und mit weichem Lötzinn den Kolbenrückstand vermessen. Alles aufgeschrieben und rum gerechnet, dann die beiden Maße zum abdrehen der Zylinder am Fuß ermittelt. Abgedreht und fertig war der Motor mit einer Schleicher Ro 1145.10 (336°) Diese war mir als Vorgängerversion Ro 340.10 (330°) ans Herz gewachsen, zog sie doch in der Wanderbaustelle ab ca 1.700/min ohne ruckeln souverän durch, bei Einbau um 3° versetzt allerdings. Der Nachfolger hat den EL-Nocken nach früh versetzt, so dass neben einem angepaßtem Rampenübergang der Einlaßschluß jetzt bei 92 statt 95° liegt. Die Nocke ist für die restliche Konfiguration überdimensioniert, der Engpaß wird also bei steigender Drehzahl durch den Serienkanal und das Serienventil (EL) vorgegeben. Trotzdem ist das Integral unter der EL-Kurve jetzt größer, heißt, es kommt trotzdem mehr Gemisch rein.
Die Entsorgung der Abgase wäre normalerweise durch eine SR-Racing Anlage sinnvoll erfolgt. Die ist mir aber inzwischen zu laut und aufdringlich. Die Serienanlage drosselt zu sehr, da blieb nur die beste Anlage, die BMW zu bieten hat: die 2-2 aus der Monolever Baureihe. Die war letztendlich auch entscheidend für den abermaligen Tausch des Rahmen in einen HPN-verstärkten von der G/S. Denn der GS-Rahmen hatte die Bleche für die Bremsbetätigung an der rechten Fußrastenaufnahme so ungünstig, dass wir weder die 2-2, noch die Bremsbetätigung zufriedenstellend hinbekamen. Mein altes Getriebe mit langem 5. aus der WBS hatte ich anläßlich einer NBR-Veranstaltung (vom Michel mit DocScholl), bei der es im 5. hängen bliebe, gegen ein normales getauscht. Das mit dem langen 5. Gang hat Patrick in bewährter Manier überholt und eingebaut.
In der Zwischenzeit hat mir eine Freund mit Lackierwerkstatt die Lackteile im originalem Weiß eingefärbt und die mitgelieferten blauen Aufkleber in die Tonne geschmissen. Die Tankflächen wurde in den zwei Blautönen korrekt lackiert und mit Klarlack geschützt. Nach inzwischen 5 Jahren nach erstem Teilekauf und inzwischen fast 63 Jahren war das Mopped fertig und wurde als erste Runde durch die Elfringhauser Schweiz und das Bergische getrieben. Natürlich mit einfachstem 20 W50 zum einfahren nebst LL bei 2.000/min damit Nockenwelle und Stößel nicht leiden am Anfang.
Danach alle Schrauben nachgezogen und in der Himmelfahrtswoche mit 5 Mann zum FT2026 gefahren. Insgesamt etwa weitere 1750 km. Die die G/S mit lediglich einer etwas undichten Manschette am Kardan sowie einem sich vergrößerndem Kupplungsspiel überstand. Nichts was man nicht Bordmitteln hinbekam. Der ein oder andere wird sie dabei schon gesehen haben.
Nach den ersten 2.000 km Filter- und Ölwechsel auf das jetzt synthetische, das ich in allen Maschine verwende.
Die G/S fährt wunderbar ruhig, auch bei 3-4000/min siehst Du alles im Rückspiegel. An der Einstellung der Vergaser muß ich „nochmal bei“. Der Sparset von Helmut Heusler läßt sie doch eher mager laufen, auf die Gemischverstellung im LL reagiert sie kaum.
Ansonsten geht der Motor warm gefahren ab 2.5/3.000 min richtig gut und will bis in den Begrenzer drehen. Wenn die Abstimmung gemacht ist fahr ich dann auch mal nach Krefeld auf den Prüfstand.
An mehreren Stellen konnte ich mir das Grinsen nicht verkneifen: Da schreibst Du "Moped fürs Alter" und dann kommt kurz danach "... vom Alter her kaum überhol-/umbaubar"
Wie fährt sich die Ritmo Sereno in punkto Lärm & Wind?
ja so ein Öhlins ist ab einem gewissen Alter nicht mehr en-vogue bei den Fahrwerksbetrieben, Ersatzteile nicht mehr einfach zu bekommen und somit kaum überholbar. Wird uns allen persönlich mit unserem Körper ähnlich gehen, da schließt sich dann der Kreis...
Das Windschild tut genau das, was es soll: gut aussehen und nicht stören. Hält den Wind ab - von der Brotdose. Der trifft meinen Astralkörper etwa in Höhe der Brust, der Helm bleibt unbehelligt, liegt voll im Wind und darf sich über eher laminare Strömung freuen. Gleiches tun meine Ohren bzgl. des unvermeidbar entstehenden - hier geringen - Lärms. Es fährt sich wesentlich leiser als mit anderen Verkleidungen. Dabei ist der Winddruck präsent, was bis 130 gar nicht, darüber bis 150 etwas stört. Auf der präferierten Landstraße reicht das also für die zulässige Geschwindigkeit zzgl. Mwst.